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Karriere mit Herz

Gerald Asamoah und Tim Stappmann haben beide einen kleinen Gendefekt am Herzen – hypertrophe Kardiomyopathie oder kurz HCM. In den DFB-Richtlinien findet sich die Information, dass HCM eine Gefährdung darstellt, obwohl es sich um nichts Lebensbedrohliches handelt. Nur ein kleiner Schönheitsfehler, allerdings mit fatalen Folgen für Tim Stappmann.

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Tim, im Profikader eines Bundesligisten, und dann das Aus! Wie fühlt sich das an?

Tim: Meine Karriere begann beim MSV Duisburg. Es lief alles wie am Schnürchen. Im zweiten Jahr der U19 bin ich zu Bayer Leverkusen gewechselt und durfte mit den Profis trainieren. Beim 1. FC Nürnberg unterschrieb ich dann einen Zweijahresvertrag. Kurz vor dem Ligastart war auf einmal Schluss für mich. Der Vereinswart war total verunsichert. Er meinte, ihm wäre die Angelegenheit HCM zu heikel, da er sich mit der Materie nicht auskenne. Von einem auf den anderen Tag war ich vereinslos.

In der Oberliga habe ich mich fit gehalten, bis mir Rot-Weiß Oberhausen eine neue Chance gegeben hat. Mein nächster Schritt ist es, in der Regionalliga Fuß zu fassen. Ich merke, dass das machbar ist, und sehe mich in der Zukunft mindestens zwei Ligen höher.

Gerald, wie ist der Kontakt zu Tim entstanden?

Gerald: Tim hat den Kontakt zu mir gesucht, um sich genauer mit dem Thema HCM auseinanderzusetzen. Ich beobachte seine Karriereschritte. Ganz besonders habe ich mich gefreut, als ich erfahren habe, dass Tim nun auch wieder auf dem Platz steht und sich auf hohem Niveau präsentieren kann.

Was ist eine HCM genau, Gerald?

Gerald: Diese Erkrankung geht mit einer Verdickung der Herzwand einher. Bei Tim ist sie nur leicht ausgeprägt. Bei mir ist diese Form weitaus ausgeprägter und ich habe trotz allem über 500 Spiele im Profifußball bestritten. Man hat mir seinerzeit eine uneingeschränkte Tauglichkeit für den Hochleistungssport attestiert.

Tim, wärst du generell bereit, den Ruhrpott zu verlassen, wenn sich die Chance bietet?

Tim: Ich habe zum Glück immer und an jedem Ort meine Familie hinter mir. Es ist aber aktuell kein Thema für mich, denn ich konzentriere mich voll auf RWO und die Aufgaben hier. Die Fans im Ruhrgebiet schaffen durch ihre Leidenschaft zum Verein eine besondere Atmosphäre, die einen ausgesprochenen Wohlfühlfaktor erzeugt.

Was sind deine Stärken?

Tim: Ich bringe mich engagiert in die Mannschaft ein. Hinzu kommen Schnelligkeit, Zweikampfstärke, Kommunikation und das Kopfballspiel. Seit einiger Zeit habe ich mit Batz & Bialas besonders engagierte Berater. Neben der qualifizierten Beratung in den Bereichen Athletik, medizinische Prä­ven­ti­on,und Medien bieten sie mir vor allem auch eine mentale Unterstützung an. Meine Mentalität ist deshalb eine ganz besondere Stärke – nicht zuletzt auch durch die Erfahrungen der Vergangenheit.

Gerald, was wünschst du Tim für seine Zukunft?

Gerald: Tim ist ein ganz lieber Mensch und ein hervorragender Sportler mit dem Herz am rechten Fleck. Ich wünsche ihm nur das Beste und dass er seine ambitionierten Ziele erreicht.