#Sommermärchen

Digital Training und alte Tugenden im Profifußball

In diesem Blog lesen Sie, wie trotz immens hoher Ablösesummen, die in der Regel nur noch die Topclubs stemmen können, die Konkurrenzfähigkeit aufrechterhalten werden kann. Umdenken müssen die Verantwortlichen dabei so oder so.

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Man muss nicht unbedingt ein Experte sein, um innerhalb der Bundesliga eine hohe Fluktuation feststellen zu können. Die Verantwortlichen bei den Spitzenclubs stehen unter dem Druck, Spieler zu verpflichten, die direkt Vollgas geben und im besten Fall mit 18 Jahren schon eine führende Position in der Mannschaft einnehmen können.

Diese Anforderungen üben sowohl auf die Manager als auch auf die zu verpflichtenden Spieler Druck aus, der meist durch die Medien und die hohen Erwartungen genährt wird. Die Spieler werden für viel Geld im Ausland gescoutet und verpflichtet, sehen die Bundesliga nur als Trittbrett an und finden Wege, aus Verträgen mit langen Laufzeiten zu flüchten, um ihren Traum von der Premier League, Real Madrid oder FC Barcelona zu verwirklichen.

Dabei bleiben Eigengewächse, die in den modernen Nachwuchsleitungszentren der Bundesligavereine ausgebildet werden, auf der Strecke. Ihnen fehlen Einsatzzeiten, sodass sie in ihrer Entwicklung stagnieren und, wenn vorhanden, nur in der Reserve (U23) zum Einsatz kommen. Dieser Prozess spiegelt sich dann leider, wie bei der WM 2018 zu erleben war, in der deutschen Nationalmannschaft wider.

Wachsende Ablösesummen, die nur Topclubs stemmen können, sind der K.-o.-Schlag für die Konkurrenzfähigkeit der Bundesliga. Im Durchschnitt verbleibt ein Spieler 1,03 Jahre beim VfB Stuttgart, 1,56 Jahre beim „Traditionsverein“ FC Schalke 04, 1,80 Jahre bei RB Leipzig und beachtliche 2,64 Jahre bei Borussia Dortmund (Quelle: Sport.de powered by ntv).

Der Tabellenletzte der Premier League erhielt 2017/18 umgerechnet 107 Millionen Euro TV-Gelder. Der Meister der Bundesliga erhielt im selben Jahr 74,162 Millionen Euro.

Transferausgaben 2018

England: 935.950.000 €
Deutschland: 342.350.000 €

Deshalb sollten wir mit all unseren Tugenden wieder mehr auf „Made in Germany“ setzen und junge, talentierte Fußballer entwickeln sowie fördern.

Die Infrastrukturen sind gut. Dank modernster Techniken haben die Vereine inzwischen einen viel besseren und detaillierteren Überblick über die Daten ihrer Spieler. Beste Beispiele für moderne Technik im Fußballtraining sind der Footbonaut und Virtual-Reality-Anwendungen. Beide Ansätze fördern die kognitiven Eigenschaften. Die Spieler optimieren so Reaktionsgeschwindigkeit, Aufmerksamkeit und logisches Denken auf dem Platz.

Schnell reagieren und zielsicher treffen: Das können Fußballspieler mit dem Footbonaut trainieren. Hierbei handelt es sich um eine kleine Spielfläche, die von vier Wänden mit insgesamt 64 kleinen Torzonen umgeben ist. Bei einer Trainingseinheit steht ein einzelner Spieler in dem käfigartigen Gebilde und erhält Bälle aus insgesamt acht Ballmaschinen. Anhand von Lichtzeichen erkennt der Spieler, in welche Richtung und auf welches Tor er den Ball schießen muss. Die Anzahl der Treffer und der vorbeigegangenen Schüsse werden in einer Datenbank gespeichert. Durch das Training wird die Ballannahme verbessert und das Passspiel präzisiert – zumindest bei jungen Spielern. Zudem hat dieses Training noch eine Gaming-Komponente wie beispielsweise ein Videospiel.

Kognitiv wird es, wenn es um Virtual-Reality-Fußballtraining geht. Mit dieser Technologie ist es möglich, die Fußballer in jede erdenkliche Spielsituation hineinzuversetzen. Der Deutsche Fußball-Bund ließ bereits verlauten, dass man von Virtual Reality insgesamt sehr begeistert sei.

Lasst uns auf das bauen, was uns als Fußballnation über Jahrzehnte stark und legendär gemacht hat. Die nächste Generation Müller und Schweinsteiger will auf den Rasen gelassen werden, um ein neues Sommermärchen zu schreiben – spätestens bei der Euro 2024.