#Kopfsache

Mentaltrainer oder Sportpsychologe

In diesem Blog lesen Sie, worin der Unterschied zwischen einem mentalen Leistungsoptimierer und einem Sportpsychologen besteht und wer die Kompetenz besitzt, extrem leistungsstarke Spitzensportler zu entwickeln.

Die WM steht vor der Tür. Der erste Anpfiff ist nicht mehr weit. Die Spannung unter den Fußballfans steigt. Spätestens seit dem grandiosen Sieg der Portugiesen im EM-Endspiel 2016 hat sich das Mentaltraining im Profifußball etabliert. Zur Erinnerung: Nur die kühnsten Optimisten hatten am 10. Juli 2016 mit einem Sieg gerechnet. Doch die Seleção überraschte mit mentaler Stärke und traf in der Person von Éder zum entscheidenden 1:0 gegen Gastgeber Frankreich. Portugal war Fußball-Europameister!

Torschütze Éder: „Was uns gelungen ist, war natürlich absoluter Wahnsinn. Aber wir haben ab dem ersten Spiel an unsere Chance geglaubt. Entscheidend war unsere mentale Stärke. Deshalb widme ich dieses Tor gerne meiner Mentaltrainerin.“

Der Sportpsychologe René Paasch hat in einem Blog folgendes Fazit gezogen: „Die Einordnung der Dienstleistungen von Mentaltrainern wird aufgrund uneinheitlicher Qualifikationsstandards und fehlender ethischer Arbeitsgrundsätze zum Selbstverständnis in Beratung und Betreuung zum Problem.“

In einem Kommentar zum Beitrag von René Paasch formuliert Martin Miller wie folgt: „Mentaltrainer sind in der Regel Scharlatane, die irgendeine pseudowissenschaftliche Sparte anbieten und nicht über genügend psychologische Kenntnisse verfügen, um auf diesem Gebiet professionell zu beraten.“

Hanspeter Gubelmann mit 25 Jahren Praxiserfahrung im Spitzensport und Vorstand in der Swiss Association of Sport Psychology zeichnet ein wesentlich differenzierteres Bild. Für ihn zählen Persönlichkeit und Kompetenz, weniger die unterschiedlichen ausbildungsbezogenen Qualifikationen.

Entscheidend ist für uns die Frage: Wer verfügt über die Persönlichkeit und die Kompetenz, extrem leistungsstarke Spitzensportler zu entwickeln, die ihr optimales Leistungsniveau exakt dann abrufen können, wenn’s drauf ankommt? Gerade in besonders anspruchsvollen Situationen macht dies den entscheidenden Unterschied aus. Auch die neuesten Erkenntnisse der Neurobiologie gewinnen in diesem Zusammenhang eine entsprechende Relevanz.

Der effektivste Mentaltrainer ist damit möglicherweise der eigene Trainer, wenn er einen wirklich qualifizierten Berater oder mentalen Leistungsoptimierer an seiner Seite hat.

Training im Fußball konzentriert sich oftmals immer noch zu stark auf die Bereiche Taktik, Technik und Kondition. Doch das Leistungsverhalten in speziellen Wettkampfsituationen kann ebenso trainiert werden wie der Konzentrationsaufbau, die Multitaskingfähigkeit oder der Umgang mit positiven und negativen Emotionen.